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Haunsheim

                                   Ihr Tor zum Bachtal

Ansprache zum Volkstrauertag 2021

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich möchte heute mit einem Dankeschön beginnen, ein Dankeschön an Sie, liebe Zuhörer, denn durch Ihr Kommen treten Sie dem Vergessen entgegen und erweisen den Opfern die gebührende Ehre. Unser Land hat zwei verheerende Weltkriege gesehen. Es war verantwortlich für Antisemitismus und Genozid. Es folgte Flucht, Vertreibung, Hungerjahre. Millionen an Opfer erinnern uns an unsere Verantwortung, uns dafür einzusetzen, dass sich derartiges Leid und Grausamkeit nicht wiederholt. Aber es gibt immer mehr Menschen, so scheint es, die Zeiten totalitärer Systeme wieder herbeisehnen und deren Gesinnungen gut finden.    

Nationalismus, Ausländerfeindlichkeit, mein Land zuerst, mein Volk zuerst, ich/wir über allen anderen, das war und ist letztlich die Wurzel allen Übels. Geschichte wiederholt sich, aber leider nicht immer nur im Guten.

Darum ist es umso wichtiger daran zu erinnern, sich seiner Geschichte und der Geschichte unserer Nachbaren bewusst zu sein und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

George Santyana, spanischer Philosoph und Schriftsteller sagte vor fast einem Jahrhundert:

„Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verurteilt sie zu wiederholen. Und die Geschichte hat oft genug bewiesen, dass immer wieder Wahnsinnige an die Macht gelangen, in dem sie falsch verstandenen Nationalstolz und Intoleranz für ihre Zwecke einsetzen – selbst dort, wo so etwas vorher undenkbar schien.“

Wie aktuell einem gerade jetzt diese Worte manchmal erscheinen mögen. Aber um Santyana´s Gedanken aufzugreifen, ein großer Anteil der Macht der Wahnsinnigen fußt auf zwei Säulen – Angst und Unwissenheit:

  • Unwissenheit deshalb, - denn, wer nichts weiß, der muss alles glauben
  • Und zweitens auf Angst, denn wer Angst hat, nimmt nur einen Teil der Wirklichkeit war

Unwissenheit, gegen Unwissenheit gibt es keine bessere Medizin als Bildung, denn Bildung erweitert den eigenen Horizont. So kann man Ungerechtigkeit besser erkennen und eine offene und demokratische Gesellschaft mit Leben füllen. Denn mit Bildung erkennt man Propaganda und Lüge auf den ersten Blick und kann moralisch gefestigt ihr entgegentreten und sich für die Wahrheit einsetzen.

Und wer letztendlich Richtig und Falsch voneinander unterscheiden kann, gibt sich nicht mit einfachen Lösungen zufrieden. Er durchschaut leicht das Verantwortlichmachen von falschen Sündenböcken. Die Welt besteht eben nicht nur aus Schwarz und Weiß.

Zweitens die Angst, wer durch Bildung und eine gute Erziehung moralisch gefestigt ist kann mutig für seine Überzeugungen einstehen. Das Leben besteht nicht nur aus Verschwörungstheorien und Menschen, die uns Böses wollen. Wir leben in einer gefestigten und stabilen Demokratie, in der wir nicht täglich um unsere Grundrechte fürchten/Angst haben müssen. Dafür, denke ich, lohnt es sich einzustehen und solidarisch zu sein.

Solidarisch sein heißt aber eben auch, sich zu schützen und somit gleichzeitig auch sein Umfeld zu schützen. Man kann sich nicht über Einschränkungen in der Pandemie beschweren und selbst durch die eigene Unvernunft für das Weiterbestehen der Einschränkungen sorgen.

Im Geiste unseres Grundgesetzes und zu Ehren aller Opfer lege ich diesen Kranz an unserem Ehrenmal nieder.

Ich danke Ihnen, Herr Pfarrer, für den feierlichen Gottesdienst.

Vielen Dank an den Musikverein und die Fahnenabordnungen der Vereine für die Mitgestaltung und das alljährliche Ausharren in der Kälte. Ich will Sie heute mit einem positiven Gefühl in diesen Sonntag verabschieden. Bitte schauen Sie trotz Corona zuversichtlich in die Zukunft und freuen sie sich an den Kleinigkeiten des Lebens. Bleiben Sie gesund, einen schönen Sonntag und kommen sie gut nach Hause.

Christoph Mettel
1. Bürgermeister